Meldungen zum Prostatakrebs lassen aufhorchen
13.03.2011
Im Fachjournal "Nature" veröffentlichen die Wissenschaftler um Mark Rubin vom Weill Cornell Medical College in New York und Levi Garraway von der Harvard University in Cambridge ihre Ergebnisse zur kompletten Genanalyse von sieben Prostatatumoren.
Die Wissenschaftler fanden heraus, dass das Genom der Tumoren eher seltener Mutationen, also den Austausch einzelner Buchstaben, enthält. Dafür kommen aber sehr viele größere Umlagerungen und Umbauten ganzer Erbgutabschnitte vor, bei denen zum Beispiel DNA-Stücke an der falschen Stelle ins Genom eingefügt sind. Solche Veränderungen können wichtige Steuergene der Zelle funktionsunfähig machen - mit der Folge, dass sich die Zelle unkontrolliert zu teilen beginnt und entartet.
Die Forscher entdeckten außerdem neue Gene, die für das Wachstum der Tumoren verantwortlich zu sein scheinen. Auf Basis der neuen Erkenntnisse können in Zukunft möglicherweise neue Diagnosewerkzeuge für die Erkrankung sowie neue Therapieansätze für den Kampf gegen den Prostatakrebs entwickelt werden.
Zwei Wochen später teilt das deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg in einer Pressenmitteilung mit, das Deutschland sich an einem ehrgeizigen Projekt zur Gensequenzierung von Tumoren (ICGC: International Cancer Genom Consortium) beteiligen wird. Unter der Federführung des Deutschen Krebsforschungszentrums und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf erforschen Ärzte und Molekularbiologen die genetischen Ursachen von frühem Prostatakrebs. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,5 Millionen Euro gefördert.
Prostatakrebs gilt typischerweise als Erkrankung älterer Männer. Dennoch sind einige Betroffene bei der Diagnose noch keine 50 Jahre alt. Diese Fälle könnten der Schlüssel zum Verständnis der Biologie dieser Erkrankung sein, so vermuten Wissenschaftler. Früh auftretender Prostatakrebs ist möglicherweise eine Untergruppe dieser Krebserkrankung, die durch eine relativ kleine Anzahl genetischer Veränderungen gekennzeichnet ist. Krebsforscher halten es für wahrscheinlich, dass darunter einige so genannte „Treiber-Mutationen“ sind, die das Entstehen und das Wachstum von Prostatakrebs besonders stark begünstigen. Außerdem gehen die Forscher davon aus, dass Fälle von Prostatakrebs mit erblichem Hintergrund, der bisher nicht vollständig verstanden ist, eher bei Männern unter 50 Jahren auftreten.
„Wir setzen große Hoffnungen darauf, mit dem Projekt neue Marker für die Diagnose und neue Therapieansätze von Prostatakrebs zu finden“, sagt Privatdozent Dr. Holger Sültmann aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum, der Sprecher des Verbundes. „Die Konzentration unseres Projektes auf besonders junge Patienten wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Hinweise auf die Ursachen des erblichen Prostatakrebses ergeben“, erklärt Professor Guido Sauter, Direktor des Instituts für Pathologie des UKE, der Ko-Koordinator des Forschungsvorhabens. „Mit den seit vielen Jahren – vor allem mit Förderung durch das Bundesforschungsministerium – etablierten Kooperationen der Projektpartner haben wir hervorragende Voraussetzungen hierfür geschaffen“, bekräftigt Sültmann.
Die verschiedenen Aufgaben des ICGC-Projekts zu frühem Prostatakrebs werden von international ausgewiesenen Experten geleitet. Das gemeinsame Ziel ist es, die Tumoren möglichst umfassend molekular zu analysieren. Die Forscher erfassen mit verschiedenen Methoden die Sequenz (Reihenfolge) der Bausteine der DNA im Kern der Zellen. Gesondert analysiert wird die Sequenz solcher DNA-Abschnitte, die Bauanleitung für Proteine enthalten. Ein weiteres Teilprojekt prüft, welche Bereiche der DNA durch chemische Markierungen, so genannte epigenetische Mutationen, stillgelegt sind. Wiederum eine andere Forschergruppe untersucht die kleinen RNA-Moleküle, die die Aktivität einzelner Gene regeln.
Eine besondere Herausforderung stellt die Analyse und Speicherung der unvorstellbaren Datenmengen dar, die im Laufe des internationalen Krebsgenomprojektes erzeugt werden. Das Erbgut einer Zelle ist aus rund drei Milliarden Bausteinen zusammengesetzt, die bei den verschiedenartigen Analysen bis zu 30-fach erfasst werden, um die Qualität der Ergebnisse abzusichern. Alle Daten der deutschen ICGC-Projekte laufen bei Professor Roland Eils zusammen, der am Deutschen Krebsforschungszentrum die Abteilung Theoretische Bioinformatik leitet. Eils baute dazu am BioQuant-Zentrum der Universität Heidelberg eine der weltweit größten Datenspeichereinheiten für die Lebenswissenschaften auf. Die Kapazität der Anlage wird mehrere Petabytes betragen – ein Petabyte entspricht einer Million Gigabytes – eine Eins mit 15 Nullen!
Erster Deutscher Männergesundheitsbericht veröffentlicht
28.10.2010
oder: Der Mann ist auch nur ein Mensch
Jetzt ist es fast amtlich: Männer sind das vernachlässigte Geschlecht. Neun ganze Jahre hat es gedauert, bis für die Männer mit einem Befindlichkeitsgutachten nachgezogen wurde. Einen Frauengesundheitsbericht gibt es schon seit dem Jahr 2001. Wesentliches Ergebnis ist die Erkenntnis, Präventionsangebote und medizinische Versorgung besser an den spezifischen Bedürfnissen von Männern und Frauen auszurichten. Der Männergesundheitsbericht wird von der Stiftung Männergesundheit, Berlin, und der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit (DGMG) in Bad Homburg herausgegeben. Der Bericht beschreibt die gesundheitliche Situation und das gesundheitsrelevante Verhalten deutscher Männer. Zudem weist er auf Defizite in der Gesundheitsförderung sowie in der medizinischen Versorgung hin. Er gibt darüber hinaus Handlungsempfehlungen und will zu weitergehenden Forschungsaktivitäten anregen.
Männliche Gesundheitsprobleme akzeptieren
Wie die Autoren um die Herausgeber Prof. Dr. Doris Bardehle von der Universität Bielefeld und den Dresdner Pfarrer und Psychologen Dr. Matthias Stiehler im Bericht feststellen, seien Wissenschaft, Politik und Krankenkassen zu zögerlich, männliche Gesundheitsprobleme zu akzeptieren und „zielgerichtet“ zu beheben. Der jetzt vorliegende Männergesundheitsbericht fordert daher die Politik auf, einen amtlichen Männergesundheitsbericht zu erarbeiten.
Männer leben gefährlich
Der Bericht hat es in sich. So zeigt er, dass Männer ein fünfmal höheres Herzinfarktrisiko tragen, als Frauen. Im Schnitt werden Männer etwa fünf Jahre weniger alt, als Frauen. Biologisch erklärbar sei allenfalls ein Jahr. Ein spezifisches Männerproblem sind Potenzschwierigkeiten, und das schon im frühen Mannesalter. Psychische Störungen treten bei Männern genau so oft auf, wie bei Frauen. Nur bleiben diese entweder unentdeckt oder werden von Männern verschwiegen – sei es aus beruflichen oder privaten Gründen. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder sagte dazu, der Umstand, dass die Arbeitswelt für Männer ein weitaus höheres Gesundheitsrisiko darstelle als für Frauen, erkläre sich daraus, dass Männer häufiger in Berufen mit Unfall- und Verletzungsgefahren arbeiteten. Zudem seien unter Männern Selbstausbeutung und Mehrarbeit verbreitet. Anne Maria Möller-Leimkühler, Sozialwissenschaftlerin am Münchner Universitätsklinikum und eine der Autorinnen, wies darauf hin, dass die Selbstmordrate der Männer die der Frauen um mindestens das Dreifache übersteige.
Bundesregierung arbeitet daran
Ministerin Schröder wollte allerdings bei der Vorstellung des Berichtes nicht den Eindruck der Untätigkeit im Ministerium stehen lassen. Sie verwies darauf, dass die Bundesregierung eine ausdrückliche Jungen- und Männerpolitik betreibe. „Moderne Familienpolitik funktioniert nicht ohne die Männer. Wir wissen, dass inzwischen nicht Mädchen, sondern Jungen als Problemkinder erscheinen. Das liegt unter anderem daran, dass es in Kindergärten und Schulen kaum männliche Erzieher und Lehrer gibt, die Rollenvorbilder sein können“, sagte die Ministerin. Es müsse Aufgabe der Politik sein, für Mädchen und Jungen faire Chancen zu schaffen. „Wir wollen deshalb mehr Jungen und Männer für zukunftsträchtige Erziehungs-, Sozial- und Gesundheitsberufe gewinnen. Deshalb starten wir zum Beispiel im nächsten Jahr den bundesweiten Boy’s Day. Durch diese Jungenförderung können wir dann auch auf falsche Männlichkeitsvorstellungen eine Antwort finden.“
Angst vor Stigmatisierung
Vielfach sei die Meinung verbreitet, dass Männer erst dann krank seien, wenn sie körperliche Symptome hätten, sagte Matthias Stiehler von der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit, Mitherausgeber des Berichts. Psychische Probleme würden als Schwäche und Versagen ausgelegt. Stiehler verwies darauf, dass die weitaus höhere Selbstmordrate von Männern nur selten thematisiert werde.
Die Medizinerin Doris Bardehle von der Stiftung Männergesundheit erklärte, viele Männer trieben Raubbau mit ihrer Gesundheit, ernährten sich schlecht und hielten von Vorsorgeuntersuchungen wenig. Aber „Männer vernachlässigen nicht nur sich selbst, sie werden auch vernachlässigt“. Ärzte seien heute nur unzureichend auf die Bedürfnisse ihrer männlichen Patienten vorbereitet. Notwendig seien auch mehr Informationsangebote im Internet, einem Medium, das von Männern gerne genutzt werde.
Männer müssen mitarbeiten
Doris Bardehle hofft, der Männergesundheitsbericht werde den Männern vor allem zu gesellschaftlicher Aufmerksamkeit verhelfen. Mitherausgeber Matthias Stiehler sagte, es werde deutlich, dass Männer nicht, wie immer wieder behauptet, Gesundheitsidioten seinen. Vielmehr müsse sich die gesellschaftliche Sicht auf Männer ändern. „Und daran müssen die Männer natürlich selbst mitarbeiten.“
Schwierigkeiten im Gesundheitssýstem
01.07.2010
Das Gesundheitssystem ist in ernsten Schwierigkeiten. Trotz erneuter Beitragserhöhung der Krankenkassen kommt bei den niedergelassenen Ärzten immer weniger Geld an. Auch unsere Praxis ist daher zu Einsparungen gezwungen und muss sowohl im Peronalbereich wie auch beim Angebot schmerzliche Einschnitte vornehmen.
In Auszügen wird im Folgenden die von uns formulierte Patienteninformation wiedergegeben: Für uns ist es unmöglich, den bisherigen Service aufrecht zu halten.Von sofort an müssen wir die Samstagsprechstunde streichen, sowie die Sprechzeiten morgens und abends eine Stunde kürzen. Bitte stellen Sie sich auf längere Wartezeiten und ein deutlich reduziertes Leistungsangebot entsprechend den Vorgaben des Sozialgesetzbuches ein.
Diese Entwicklung entspricht keineswegs unseren Vorstellungen einer modernen, patientenorientierten Medizin. Leider können wir Ihnen das nicht mehr bieten.Für Patienten einer Privatversicherung oder Kassenpatienten, die eine Kostenerstattung gewählt haben, treffen diese massiven Einschränkungen nicht zu, diese können wir in gewohnter Weise mit hoher Qualität und hoher Kompetenz weiterbehandeln
Fortbildung - neuester Stand
29.03.2010
Neue Daten zur Krebsstatistik
13.03.2010
2006 sind knapp über 60.000 Prostatakrebserkrankungen registriert worden. Hochgerechnet auf das aktuelle Jahr wird bei rund 6 Prozent mehr Menschen ein bösartiger urologischer Tumor diagnostiziert werden. Die Sterberate dieser Krebsarten ist jedoch gesunken, vor allem beim Prostatakrebs. Hier ist die alterstandardisierte Sterberate seit 1980 laut RKI um 20 Prozent gefallen. Zu den häufigsten weiteren urologischen Tumoren zählt der Blasenkrebs mit 27.450 Neuerkrankungen im Jahr 2006. Mehrheitlich Männer erkranken an dieser Krebsart, für die das durchschnittliche Erkrankungsalter mit deutlich über 70 Jahren relativ hoch liegt. Solange ein Blasenkarzinom noch nicht auf Lymphknoten abgesiedelt ist, hat das RKI bei Männern eine 5-Jahres-Überlebensrate von 75 Prozent ermittelt. Die Sterbehäufigkeit bei Männern ist seit etwa zehn Jahren rückläufig, bei Frauen stagnierend.
Am besten sieht die Statistik beim Hodenkrebs aus. 2006 erkrankten knapp 5000 Männer, die 5-Jahre-Überlebensrate lag bei über 95 %. Die Broschüre "Krebs in Deutschland", die das Robert Koch-Institut alle zwei Jahre gemeinsam mit der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e. V. (Lübeck) herausgibt, ist Ende Februar in der 7. Ausgabe veröffentlicht worden.
